Überdimensionierte Strassen
Die Pfingstweidstrasse ist heute überdimensioniert. Die Strasse wurde als Zubringer für das «Expressstrassen-Ypsilon» gebaut, ein riesiges Autobahnkreuz, das beim Zürcher Letten entstehen sollte. Auch die Hardstrasse ist eine unnötige Verdoppelung des Verkehrs der Hardbrücke.
Das Ypsilon wurde nie gebaut. Im Februar 2024 passte der Bundesrat die Nationalstrassenverordnung an und strich das Zürcher Autobahn-Ypsilon definitiv. Die Stadtautobahn wird also nie kommen.
Was viele aber nicht wissen: Die Pfingstweidstrasse ist formell noch immer eine Nationalstrasse dritter Klasse und befindet sich im Inventar des Bundesamts für Strassen (ASTRA). Der Kanton Zürich unterhält und betreibt sie im Auftrag des Bundes. Die Stadt Zürich hingegen, die den Strassenraum und das Grundstück bereits heute besitzt, hat kaum Einfluss auf die Gestaltung ihrer eigenen Strasse.
Mit der Streichung des Ypsilons ist die Pfingstweidstrasse offiziell überdimensioniert. Die Klassierung als Nationalstrasse dritter Klasse ist ein unnötiges Überbleibsel einer Planung, die der Bundesrat selbst ad acta gelegt hat.
Was jetzt gefordert ist
Die IG Zentrum Hardbrücke fordert deshalb, die Pfingstweidstrasse bis zum Toni-Knoten aus dem ASTRA-Inventar zu entlassen und der Stadt Zürich zu übereignen. Da der Grund bereits der Stadt gehört, wäre das ein konsequenter nächster Schritt. Die Stadt würde damit die Autonomie über eine Strasse zurückgewinnen, die mitten durch ihr Quartier führt und deren Gestaltung heute von Bund und Kanton übersteuert wird.
Mit dieser Autonomie würden sich neue Möglichkeiten öffnen: Tempo 30, Spurreduktionen, Begrünung. Für die Neue Hard und die Geroldstrasse, die bereits im städtischen Zuständigkeitsbereich liegen, laufen entsprechende Planungen. Das Vorprojekt zur Reduktion von vier auf zwei Autospuren und zur Schaffung von Grünflächen wird bis Ende 2026 ausgearbeitet. Für die Pfingstweidstrasse selbst fehlt dieser Schritt noch, womit das heutige Verkehrsaufkommen bewältigt noch immer werden könnte.
Unter der Brücke: Die Hardstrasse
Die Pfingstweidstrasse ist nicht die einzige Strasse, die dem Quartier die Luft abschnürt. Die Hardstrasse verbindet den Escher-Wyss-Platz mit der SBB-Station Hardbrücke und verdoppelt so die Hardbrücke auf Strassenniveau: Oben rauscht der Autoverkehr über die Brücke, unten tut er es von allen Seiten auf der Hardstrasse. Für sämtliche Verkehrsteilnehmer:innen herrscht unter der Brücke grosse Unsicherheit, für den Fuss- und Veloverkehr ist die Situation vor allem auch gefährlich. Dabei wäre die Doppelung für den motorisierten Individualverkehr gar nicht nötig, denn für die grossen Verbindungen sorgt bereits die Brücke.
Was heute unter der Hardbrücke liegt, ist ein ungenutztes Potenzial. 180 Parkplätze, ein unübersichtliches Tram- und Autoregime, dunkle Durchfahrten. Eine Arbeitsgruppe rund um die IG Zentrum Hardbrücke hat im Hochparterre-Themenheft «Die Säulenhalle» gezeigt, was möglich wäre: Die Hardstrasse weitgehend vom Autoverkehr befreien, die Parkplätze aufheben, das Tramtrassee auf die westliche Seite der Brücke verlegen. Was bliebe, wäre ein 700 Meter langer, gedeckter öffentlicher Raum mit urbanem Weitblick, von der SBB-Station Hardbrücke bis zum Escher-Wyss-Platz. Ein Ort zum Flanieren und Verweilen mit lokalem Gewerbe, Gastro und Kultur.
Mehr als ein Verkehrsproblem
Die Strassen von Zürich-West sind nicht nur ein Lärm- und Sicherheitsproblem. Sie erklären, warum das Quartier zu heiss ist, zu laut, zu wenig bewohnbar. Sie sind der Grund, warum an der Pfingstweidstrasse kaum Wohnungen entstehen, warum Fussgänger:innen das Quartier meiden. Ein Quartierzentrum fehlt, obwohl der kommunale Richtplan genau das vorsieht.
Das Potenzial ist riesig. Damit wir es nutzen können, braucht es den Mut, das Diktat des motorisierten Individualverkehrs zu beenden.