Niemand wohnt in Zürich-West
Wer wohnt in Zürich-West? Leider nicht viele. Die Stadt Zürich ächzt unter der Wohnungsnot. Es gibt zu wenige und zu wenig bezahlbare Wohnungen, auch in Zürich-West. Studien zeigen, dass ein Quartier ab einem Wohnanteil von 30 % zu leben beginnt.
Nur 12 Prozent der Fläche in Zürich-West sind Wohnraum. Der Rest des Quartiers ist geprägt von monotonen Fassaden und oftmals geschlossenen Erdgeschossen. Die Zumauerung des Iselihofs (ehem. Jumbo) ist nur das jüngste Beispiel, wie sogar vormals belebte Erdgeschosse jetzt verkümmern.
Die nächste Post ist am Limmatplatz, grüne Orte und Spielplätze gibt es kaum, lokales Kleingewerbe findet man erst im Viaduktbogen.
Das war nicht so geplant. Das Entwicklungskonzept Zürich-West aus dem Jahr 2000 sah einen Wohnanteil von ca. 30 Prozent vor. Die Zahl kommt nicht von ungefähr, denn stadtplanerische Studien zeigen: Ab 30 Prozent beginnt ein Quartier wirklich zu leben; Erdgeschossnutzungen haben eine Chance. Heute, 26 Jahre später, sind wir bei 12 Prozent. Um die Umsetzung hat sich niemand gekümmert.
Die Lösungen lägen bereit
Auf dem Josef-Areal wären 300 bis 500 Wohnungen möglich. Das haben wir in unseren Berechnungen im Hochparterre Themenheft «Josef will wohnen» klar nachgewiesen. Was es braucht, ist ein deutliches politisches Signal. Die Stadt überarbeitete das Konzept für das Areal in partizipativen Workshops. Das Resultat: voraussichtlich rund 170 Wohnungen. Klar zu wenig bei einem Areal dieser Grösse und Lage. Mehr dazu in unserem Blogpost.
Dann ist da die Pfingstweidstrasse. Wer an einer Hauptverkehrsachse bauen will, scheitert heute am Lärmschutzrecht. Die Lösung liegt auf der Hand: Tempo 30. Mit einer Temporeduktion auf der Pfingstweidstrasse bis zur Toni-Kreuzung sinkt der Lärmpegel, damit würden – ohne eine einzige Umzonung – bis zu 2000 zusätzliche Wohnungen möglich. 2000. Das ist keine Utopie, das ist geltendes Baurecht, konsequent angewendet. Auch das haben wir im Hochparterre Themenheft «Ein Pfingsthain für Zürich-West» nachgewiesen.
Und schliesslich: Die Stadt Zürich besitzt über 25 Prozent der Grundfläche im Quartier. Sie ist die grösste Grundeigentümerin, noch vor Swiss Life, Swiss Prime Site und der SBB zusammen (hier unser Blogpost dazu). Ihr Handlungsspielraum ist enorm, auch mit Blick auf den Wohnungsbau und die Erreichung des Drittelsziels. Die Frage ist nicht, ob sie handeln kann. Die Frage ist, ob sie es will.