Eine Wüste mitten in der Stadt

Wer in der aktuellen Hitzewelle durch die Pfingstweidstrasse läuft, versteht sofort, was Stadtklima bedeutet. Asphalt, Beton und dunkle Fassaden speichern die Wärme des Tages und geben sie nachts wieder ab. Zürich-West ist eine Hitzeinsel. Und es wird heisser.

Das Entwicklungskonzept aus dem Jahr 2000 schrieb mindestens 8 Quadratmeter Freifläche pro Bewohner:in vor. Ein vernünftiger Wert. Aber er ist direkt an den Wohnanteil gekoppelt. Das bedeutet: Wenig Bewohner:innen, wenig Grün. Bei einem Wohnanteil von 12 Prozent fehlt der planerische, aber auch der gesellschaftliche Druck für mehr Grün. Das ist ein Systemfehler.

Auftrag bei der Autowaschanlage liegt seit 15 Jahren brach

Besonders deutlich zeigt sich das Versagen beim Baufeld H. Dort gilt seit 2011 ein ergänzender privater Gestaltungsplan, der explizit Hitzeminderungsmassnahmen und Grünraum vorsieht. Die Hamasil Stiftung und Allreal haben ihren Teil umgesetzt: Wohnungen, Begrünung, Leben. Die Stadt Zürich hingegen (Eigentümerin des Baubereichs A, auf dem heute eine leere Autowaschanlage steht) tut nichts. Die Liegenschaftenverwaltung betrachtet das Areal als Landreserve ohne Planungshorizont. Ein gültiger Gestaltungsplan wird ignoriert.

Immerhin plant die Stadt im südlicheren Bereich des Quartiers eine Spurreduktion der Neuen Hard und der Geroldstrasse von vier auf zwei Spuren für den Autoverkehr. Der gewonnene Raum soll Grünflächen mit Bäumen weichen. Das Vorprojekt läuft bis Ende 2026. Ein guter Ansatz, auch wenn er spät kommt und nur ein Teil der Lösung ist.

Eine Strasse als Klimachance

Die grösste Möglichkeit liegt direkt vor der Nase. Unsere Klimaberechnungen im Hochparterre-Themenheft «Ein Pfingsthain für Zürich-West» zeigen: Mit dem Pfingsthain – einem bis zu 20 Meter breiten Grünstreifen entlang der Pfingstweidstrasse – könnten die Temperaturen im Quartier trotz Klimawandel bis 2060 sinken statt steigen. Der Effekt tritt aber nur ein, wenn grössere Bäume heute gepflanzt werden. Aus der Chance wird damit eine Pflicht.

Mehr Bäume, mehr entsiegelte Flächen, weniger Beton. Die Lösungen sind bekannt. Was fehlt, ist der politische Wille, sie anzuwenden