David Garcia: «Ein spannender, aber auch spannungsgeladener Ort.»

Am 8. März wählt die Stadt Zürich ein neues Parlament und eine neue Regierung. Im vierten Teil unserer Blogserie stellen wir 4 Fragen an David Garcia, bisheriger Gemeinderat der Grünliberalen Partei.

Sie verlassen den Bahnhof Hardbrücke über die Rampe und betreten Zürich-West. Was ist Ihr erster Gedanke?

Zur Hardbrücke habe ich ein ambivalentes Verhältnis. Einerseits ist sie eine in Beton gegossene Autobahn-Orgie und stellt eine alte Wunde in unserer Stadt dar. Diese Autokolonne, die ganze Quartiere zerschneidet, muss lieber früher als später verschwinden. Gleichzeitig gibt es in der Stadt keinen urbaneren Raum als den Raum unter der Hardbrücke. Hier können alle zuschauen, wie die Stadt pulsiert. Es ist ein unheimlich spannender, aber auch spannungsgeladener Ort.

Der Wohnanteil in Zürich-West liegt heute bei gerade mal 12 Prozent. Ist das ein Problem? Wie liesse sich der Wohnanteil erhöhen?

Vor 25 Jahren, in der Ära Ledergerber/Martelli, sind die Weichen für die Stadtplanung in Zürich West falsch gestellt worden. AL und Mieterverband haben damals vergeblich versucht, die viel zu tiefen Wohnanteile auf dem Maag-Areal zu erhöhen und die Anrechnung von Hotelnutzungen an den Wohnanteil - Stichworte: Hotel Renaissance und 25hours Hotel - zu verbieten. Die Fehler von aus dieser Zeit lassen sich heute nur schwer korrigieren. Einerseits müssen wir dafür sorgen, dass kostengünstiger Wohnraum nicht weggentrifiziert wird. So hat der Gemeinderat bereits 2010 eine AL-Motion gegen die explosionsartige Ausbreitung von AirBnB-Nutzungen und Business-Apartments überwiesen. Doch der Stadtrat hat eine Umsetzung während über 10 Jahren verzögert und torpediert und jetzt läuft gegen die endlich beschlossene Regelung eine Beschwerde vor Bundesgericht Anderseits müssen wir dafür sorgen, dass neue gemeinnützige Wohnungen im Quartier gebaut werden. So hat die AL zusammen mit SP, Grüne, GLP sowie Mitte/EVP mit einer Motion im Gemeinderat erwirkt, dass jetzt auf dem städtischen Josef-Areal massiv mehr Wohnungen geplant werden, als der Stadtrat ursprünglich vorgesehen hatte.

Was wünschen Sie sich auf dem Maag-Areal?

Ich wünsche mir, dass die Einzigartigkeit dieses Areals gewahrt bleibt. Dafür müssen die Maag-Hallen unbedingt erhalten werden. Als die SPS 2021 ihre Abbruch-Pläne bekannt gab, habe ich im Gemeinderat ein dringliches Postulat für eine Anpassung der Sonderbauvorschriften Maag-Areal eingereicht, damit dieser wichtige Kulturort erhalten bleiben kann. Für die AL ist es klar, dass eine Weiterentwicklung dieses Gebiets ein grosses städtebauliches, ökologisches und soziales Potenzial hat. Dieses kann sich aber nur richtig entfalten, wenn die Maag-Hallen erhalten und architektonisch integriert werden, wie es etwa das Wettbewerbsprojekt von Lacaton & Vassal Architectes vorsieht. Auch andernorts - wie etwa beim ehemaligen Kispi-Areal in Hottingen - setzt sich die AL für kluge Umnutzung und ein Weiterbauen im Bestand ein.

Wird ein Quartier für Bewohnende attraktiver, steigen oft auch die Mieten. Gibt es einen Weg aus diesem Aufwertungs-Dilemma?

Das Aufwertungs-Dilemma stellt sich bei gemeinnützigen Eigentümern nicht. Ihre Bindung an die behördlich kontrollierte Kostenmiete verhindert solche Preisspiralen. Bei Privaten dagegen schlagen sich Massnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität schnell auf die Mieten nieder. Deshalb wäre es wichtig gewesen, dass der Stadtrat in den 1990er- und Nuller-Jahren in Gebieten mit geplanter Aufwertung oder Verkehrsberuhigung - etwa im Langstrassenquartier oder an der Weststrasse - gezielt Boden gekauft hätte. Jetzt, wo eine wichtige Revision der Bau- und Zonenordnung (BZO) ansteht, ist es unabdingbar, dass private Grossinvestoren endlich in die Pflicht genommen werden, damit sie nicht nur Teil des Problems, sondern auch ein Teil der Lösung werden. Mit einer Volksinitiative, über die 2026 abgestimmt wird, fordert die AL, dass auf Arealen, wo künftig höher und dichter gebaut werden darf, die gesamte Mehrausnützung als preisgünstiger Wohnraum in Kostenmiete realisiert wird.