Gemeinsam zu besseren Lösungen für Zürich-West
Volles Haus und angeregte Diskussionen: Am 5. Februar diskutierten Vertreter:innen aus Politik, Lehre und Quartier darüber, weshalb es chnorzt in Zürich-West und wie wir in diesem einzigartigen Quartier zu besseren Lösungen kommen.
Zürich-West ist unbestritten eines der spannendsten Entwicklungsgebiete der Stadt. Gleichzeitig weist das Quartier mit rund 12 % einen bemerkenswert tiefen Wohnanteil auf. Was das für den Alltag bedeutet, zeichnete Moderator und tsüri.ch-Chefredaktor Simon Jacoby gleich zu Beginn nach: ausgestorbene Gebäude und Strassen ausserhalb der Bürozeiten, abweisende Fassaden und stumme Erdgeschosse. Es tötelet.
Dass Zürich-West heute so funktioniert, ist weder Zufall noch Naturgesetz. Es ist das Resultat von Planungsentscheiden, die seit den 1990er-Jahren stark zugunsten von Büro- und Gewerbeflächen getroffen wurden. Viel Verantwortung wurde an private Akteur:innen delegiert – mit dem bekannten Ergebnis monofunktionaler Bürolandschaften. Stadtentwicklung braucht jedoch mehr als Ausnützung und Rendite: Sie braucht Visionen.
Wer in der Verantwortung steht
In der Diskussion wurde deutlich: Private Investoren können viel beitragen, wenn sie sich bewusst für einen echten Quartierbeitrag entscheiden – etwa durch belebte Erdgeschosse, bezahlbare Wohnungen oder Begrünung und Entsiegelung als Hitzeminderungsmassnahmen. Zu oft stehen jedoch Parzellendenken und Renditelogik quartierübergreifenden Lösungen im Weg. Gerade die für ein lebendiges Quartier so wichtigen Zwischenräume geraten dabei aus dem Blick.
Einigkeit herrschte darüber, dass die Stadt eine besondere Verantwortung trägt. Mit über 25 Prozent der Fläche ist sie nicht nur Planungsbehörde, sondern auch die grösste Landbesitzerin im Quartier. Ihr gehören Freiräume wie der Turbinenplatz oder Landreserven wie das Baufeld H, wo heute eine leerstehende Autowaschanlage steht. Die Stadt verfügt damit über erhebliche Gestaltungsmöglichkeiten – entsprechend gross ist der Wunsch nach einem selbstbewussten und visionären Auftreten.
Mehr Wohnungen alleine reichen nicht
Betont wurde auch: Mehr Wohnungen allein reichen nicht. Wohnen braucht immer auch Infrastruktur – Schulen, Grünräume, soziale Angebote. Stadtentwicklung in Zürich-West wird jedoch oft stark gebäudeorientiert gedacht. Dabei sind Übergänge, Zwischenräume und Erdgeschosse entscheidend für ein lebendiges Quartier. Instrumente wie Gestaltungspläne können zwar technische Rahmen setzen, ersetzen aber keine strategische Vorstellung davon, wie Zürich-West als Ort des Alltags funktionieren soll.
Hoffnungsvoll in die Zukunft
Gefordert wurde ein Perspektivenwechsel: weg vom isolierten Projektdenken hin zu einer raumgestalterischen Politik, die Mischnutzung ernst nimmt und langfristig plant. Zürich-West braucht eine klare Vision – und den politischen Willen, sie mit Tempo umzusetzen. Zum Abschluss brachte es Thomas Seiz auf den Punkt: «Wir dürfen nicht nur anklagen, was alles schlecht gelaufen ist. Wir müssen uns stattdessen überlegen, wie wir – Private und Stadt gemeinsam – zu einer besseren Lösung fürs Quartier kommen».
Es diskutierten:
- Thomas Seiz, Vorsitzender der IG Zentrum Hardbrücke
- Maya Kägi Götz, SP
- Claudia Sinatra, Raumentwicklung und Stadtpolitik ETH
- Michael Schmid, FDP
Moderation: Simon Jacoby Tsüri.ch